Bildhauer Christian Schulze  

Über meine Arbeit:

Jeder Mensch wächst mit den Bildern seiner Kindheit auf. Sie bilden den Grundstock für das Wiedererkennen in den Bildern der Kunst. Bereits Kinder haben das natürliche Verlangen, ihre Welt mit Hilfe von Bildern zu hinterfragen. Sie malen, kneten, singen oder musizieren. Der Künstler entwickelt diese Methode weiter. Er schafft Kunst im Sinne von „Kundtun“ und stellt so seine individuellen Erkenntnisse als Mittel gesellschaftlicher Verständigung zur Verfügung.

Die Bilder der eigenen Kindheit sind für jeden Menschen das Alphabet, das nötig ist, die von der Kunst neu zusammengefügten Ausdruckselemente als Informationen wahrnehmen zu können. Diese Grundüberlegung ist für mich zentral beim Herstellen von Kunst. Nicht, ob Inhalt oder Form  wichtiger wäre, interessiert mich, sondern wie ich beides so zusammenbringe, dass das, was mich beschäftigt, auch sichtbar wird. Wie weit darf, muss eine künstlerische Form umgesetzt sein, um den gewünschten Inhalt bestmöglich zu transportieren.

Zentral ist für mich das Bild, das ich mir von Menschen mache, Menschen im Guten, wie im Bösen. Die Betonung des Individuellen wurde mir zunehmend wichtig. Ich möchte dem inneren Zustand von Menschen Ausdruck geben. Bildhauerei ist für mich eine eher reduzierte Sprache. Ausschweifendes Erzählen verbietet sich und jedes Detail erfordert Konzentration. Da ich meine Arbeiten nicht mit Werkzeichnungen vorbereite, findet die Suche nach der gültigen Form am Modell statt. Es ist notwendig für mich, dass die Arbeit bis zum Schluss veränderbar bleibt.

In Worten oder als flüchtige Skizzen halte ich meine Ideen fest. Bilder aus Zeitungen, dem Internet oder der Werbung, Menschen auf der Straße oder im Supermarkt, Worte im Radio, Musik oder Gedichte können erste Anregung sein. Mangel an Themen gibt es eigentlich nicht, aber nicht alles ist schließlich auch geeignet, plastisch umgesetzt zu werden. Was zählt ist Ausdruck, Ausdruck, Ausdruck und die passende Form dafür zu finden. Womit ich beginne, mit der Form oder dem Ausdruck ist egal. Will ich etwas Bestimmtes erreichen und die erhoffte Wirkung bleibt aus, ist es oft sinnvoll, die Arbeit nicht zu zerstören. Mit zeitlichem Abstand sehe ich sie irgendwann in einem anderen Zusammenhang und plötzlich tun sich unerwartete Aussagen auf. Mit ein paar kleinen Veränderungen wird alles eindeutig.

Stein und Holz legen mich von Anfang an zu sehr fest. Sie haben ihre eigenen Gesetze, deren Sklave ich nicht gern bin. Ich bin ein unruhiger Mensch. Ton ist mein Ursprung. Er ist mein bevorzugtes Arbeitsmaterial geblieben. Er lässt sich schnell und flexibel bearbeiten und ermöglicht problemlos Änderungen. Es ist ein künstlerisches Arbeitsproblem, sein Anliegen nicht zu verlieren, aber  in kurzer Zeit genügend inneren Abstand zur Arbeit zu gewinnen, um das Ergebnis kühl beurteilen zu können.